Die Prüfung « Leben » ist ein Fachgespräch von dreissig Minuten. Sie lässt sich nicht als Multiple-Choice nachbilden, und dieses Thema behauptet es auch nicht: es bereitet den Inhalt vor, mit dem Sie im Gespräch antworten müssen. Die Übungsfragen hier prüfen Ihr Wissen, nicht die Prüfungsform.
Das schweizerische Vorsorgesystem ruht auf drei Säulen: die staatliche Vorsorge (AHV und IV) sichert das Existenzminimum, die berufliche Vorsorge (BVG) soll zusammen mit der ersten Säule die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung ermöglichen, die private Vorsorge (Säule 3a und 3b) schliesst die verbleibenden Lücken.
Erklären können, warum eine Lösung zur Situation passt: Familienstand, Kinder, Einkommen, bestehende Deckungen, Lücken bei Invalidität und Tod, steuerliche Wirkung. Zahlen nennen Sie nur, wenn Sie sie sicher kennen.
1. Woraus besteht das schweizerische Drei-Säulen-System?
Art. 111 der Bundesverfassung ordnet die Vorsorge in drei Säulen: die staatliche Vorsorge mit AHV und IV, die berufliche Vorsorge nach dem BVG und die individuelle Vorsorge mit den Säulen 3a und 3b.
2. Welches Ziel verfolgt die erste Säule?
Art. 112 der Bundesverfassung verlangt, dass die Renten der ersten Säule den Existenzbedarf angemessen decken. Die Fortsetzung des Lebensstandards ist Aufgabe der zweiten Säule, die freiwillige Vorsorge jene der dritten.
3. Wie ist die Beitragspflicht bei einer erwerbstätigen Person geregelt?
Art. 13 AHVG teilt den Beitrag zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmenden je zur Hälfte auf. Selbstständigerwerbende tragen den Beitrag allein, wobei ein sinkender Satz für tiefe Einkommen gilt.
4. Wie viele Beitragsjahre sind für eine vollständige Altersrente nötig?
Eine Vollrente setzt eine lückenlose Beitragsdauer voraus; jedes fehlende Jahr kürzt die Rente anteilig. Ein Anspruch auf eine Rente entsteht dagegen bereits nach einem vollen Beitragsjahr.
5. In welchem Verhältnis stehen die minimale und die maximale Altersrente?
Art. 34 AHVG legt fest, dass die höchste Vollrente dem Doppelten der tiefsten entspricht. Diese Begrenzung macht die AHV stark solidarisch, weil hohe Einkommen weit mehr einzahlen, als sie an Rente erhalten.
6. Wie werden die Renten eines Ehepaars behandelt?
Art. 35 AHVG begrenzt die Summe der beiden Einzelrenten auf hundertfünfzig Prozent der maximalen Altersrente. Diese Plafonierung ist eine der grössten Lücken, die eine private Vorsorge zu schliessen hat.
7. Wer untersteht der obligatorischen beruflichen Vorsorge?
Art. 2 BVG unterstellt Arbeitnehmende dem Obligatorium, sofern ihr Jahreslohn die vom Bundesrat festgelegte Eintrittsschwelle übersteigt. Selbstständigerwerbende können sich freiwillig versichern.
8. Was bezweckt der Koordinationsabzug in der beruflichen Vorsorge?
Art. 8 BVG zieht vom Jahreslohn einen Betrag ab, weil dieser Teil bereits durch AHV und IV gedeckt ist. Der verbleibende koordinierte Lohn bildet die Grundlage der Altersgutschriften.
9. Wie entwickeln sich die Altersgutschriften mit dem Alter?
Art. 16 BVG staffelt die Altersgutschriften nach Altersgruppen, von sieben Prozent bis achtzehn Prozent des koordinierten Lohns. Diese Staffelung erklärt, weshalb ältere Arbeitnehmende höhere Vorsorgekosten verursachen.
10. Was bezeichnet der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge?
Art. 14 BVG legt den Mindestumwandlungssatz für das obligatorische Altersguthaben fest. Er verbindet Guthaben und Rente und hängt von Lebenserwartung und erwarteter Rendite ab.
11. Ein Altersguthaben von 400 000 Franken wird mit 6,8 Prozent umgewandelt. Wie hoch ist die Jahresrente?
Die Rente ergibt sich aus dem Guthaben multipliziert mit dem Umwandlungssatz: 400 000 mal 0,068 ergibt 27 200 Franken pro Jahr, also rund 2 267 Franken pro Monat.
12. Was geschieht mit dem Altersguthaben bei einem Stellenwechsel?
Das Freizügigkeitsgesetz verlangt die Übertragung der Austrittsleistung an die neue Einrichtung. Eine Barauszahlung ist nur in den gesetzlich genannten Ausnahmefällen möglich.
13. Wann ist eine Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung möglich?
Art. 5 FZG nennt drei Fälle: das endgültige Verlassen der Schweiz, die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit und eine Austrittsleistung unter einem Jahresbeitrag. Bei Verheirateten braucht es die Zustimmung des Ehegatten.
14. Wofür darf ein Vorbezug aus der beruflichen Vorsorge verwendet werden?
Art. 30c BVG erlaubt den Vorbezug für selbst genutztes Wohneigentum; ein zweites Objekt oder eine Vermietung ist ausgeschlossen. Der Vorbezug wird im Grundbuch angemerkt und mindert die späteren Leistungen.
15. Welche Frist ist nach einem Einkauf in die Vorsorgeeinrichtung zu beachten?
Art. 79b Abs. 3 BVG untersagt einen Kapitalbezug der eingekauften Leistungen innert dreier Jahre. Die Steuerbehörden würden andernfalls den Abzug verweigern, weil eine reine Steuerersparnis vorläge.
16. Wer darf in die Säule 3a einzahlen?
Die Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung knüpft die Einzahlung an ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen. Wer keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, kann nicht einzahlen, auch nicht mit vorhandenem Vermögen.
17. Wie werden Beiträge an die Säule 3a steuerlich behandelt?
Art. 33 DBG lässt den Abzug der Beiträge bis zum vom Bundesrat festgelegten Höchstbetrag zu. Die spätere Leistung wird nach Art. 38 DBG gesondert und zu einem reduzierten Satz besteuert.
18. Wann darf ein Guthaben der Säule 3a bezogen werden?
Die Verordnung lässt den Bezug frühestens fünf Jahre vor dem Referenzalter zu; hinzu kommen Invalidität, endgültiger Wegzug, Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, Wohneigentum und der Einkauf in die zweite Säule.
19. Was kennzeichnet die freie Vorsorge der Säule 3b?
Die Säule 3b umfasst jede freie Form des Sparens, von der Lebensversicherung bis zum Wertschriftendepot. Dafür fehlt der Abzug vom Einkommen, den die Säule 3a gewährt.
20. Was kennzeichnet eine gemischte Lebensversicherung?
Die gemischte Versicherung zahlt das vereinbarte Kapital im Erlebens- wie im Todesfall. Sie verbindet damit Vorsorge und Risikoschutz, ist aber teurer als eine reine Risikodeckung.
21. Was kennzeichnet eine reine Risikoversicherung auf den Todesfall?
Die Risikoversicherung deckt allein das Todesfallrisiko; endet der Vertrag ohne Todesfall, entfällt jede Leistung. Sie ist deshalb die günstigste Form, eine Familie oder eine Hypothek abzusichern.
22. Wer bestimmt die begünstigte Person einer Lebensversicherung?
Art. 76 VVG räumt der versicherungsnehmenden Person das Recht ein, eine begünstigte Person zu bezeichnen. Die Bezeichnung kann jederzeit widerrufen werden, sofern nicht auf den Widerruf verzichtet wurde.
23. Welche Wirkung hat eine Begünstigung auf den Nachlass?
Art. 78 VVG lässt die begünstigte Person einen eigenen Anspruch erwerben; die Leistung fällt nicht in den Nachlass. Die Pflichtteile der Erben bleiben nach den Regeln der Herabsetzung vorbehalten.
24. Wie wird eine Kapitalleistung aus der Vorsorge besteuert?
Art. 38 DBG unterwirft Kapitalleistungen aus Vorsorge einer gesonderten Jahressteuer zu einem reduzierten Satz. Die Kantone kennen eigene, ebenfalls privilegierte Tarife.
25. Wie wird eine Rente aus der beruflichen Vorsorge besteuert?
Renten aus der zweiten Säule sind nach Art. 22 DBG vollständig als Einkommen steuerbar, weil die Beiträge abziehbar waren. Bei alten Verträgen mit teilweise nicht abgezogenen Beiträgen bestehen Übergangsregeln.
26. Welche Angabe steht am Anfang einer Vorsorgeanalyse?
Der Vorsorgeausweis zeigt Guthaben und voraussichtliche Leistungen der zweiten Säule; der Kontoauszug der Ausgleichskasse deckt Lücken in der ersten Säule auf. Ohne diese Dokumente bleibt jede Aussage eine Schätzung.
27. Welche Leistung erbringt die Invalidenversicherung in erster Linie?
Art. 7b und 8 IVG stellen die Eingliederung vor die Rente; erst wenn sie scheitert, entsteht ein Rentenanspruch. Die Früherfassung nach Art. 3a IVG soll dieses Vorgehen beschleunigen.
28. Welche Leistung sieht die berufliche Vorsorge im Todesfall vor?
Art. 18 ff. BVG sehen Renten für den überlebenden Ehegatten und für die Kinder vor. Für Lebenspartner besteht ein Anspruch nur, wenn das Reglement ihn nach Art. 20a BVG vorsieht und die Meldung erfolgt ist.
29. Wie entsteht eine Vorsorgelücke typischerweise?
Fehlende Beitragsjahre kürzen die Rente der ersten Säule anteilig; Teilzeit und tiefe Löhne verkleinern den koordinierten Lohn der zweiten Säule. Beides zeigt sich erst im Vorsorgeausweis und im Kontoauszug.
30. Welche steuerliche Wirkung hat ein Einkauf in die zweite Säule?
Art. 33 DBG lässt den Abzug der Einkäufe vom Einkommen zu; die spätere Leistung wird nach Art. 38 DBG besteuert. Die Sperrfrist von Art. 79b BVG verhindert eine rein steuerlich motivierte Gestaltung.
31. Welche Bedeutung hat der Rückkaufswert einer Lebensversicherung?
Der Rückkaufswert ist das im Vertrag gebildete Deckungskapital abzüglich Kosten; er liegt in den ersten Jahren deutlich unter den bezahlten Prämien. Art. 90 VVG regelt den Anspruch auf Umwandlung und Rückkauf.
32. Welche Frage klärt den Vorsorgebedarf einer Familie am schnellsten?
Die Leistungen von AHV und BVG decken nach einem Todesfall oder einer Invalidität selten den bisherigen Bedarf. Die Frage nach dem Lebensstandard führt unmittelbar zur Lücke, welche die dritte Säule zu schliessen hat.
33. Ab wann besteht eine Beitragspflicht für eine nicht erwerbstätige Person?
Art. 3 AHVG unterstellt Nichterwerbstätige ab dem Jahr nach Vollendung des zwanzigsten Altersjahres der Beitragspflicht. Erwerbstätige zahlen bereits ab dem Jahr nach dem siebzehnten Geburtstag Beiträge.
34. Welche Wirkung hat eine Beitragslücke in der ersten Säule?
Jedes fehlende Beitragsjahr führt zu einer Kürzung von rund einem Vierundvierzigstel der Rente. Lücken der letzten fünf Jahre können nachbezahlt werden, ältere nicht mehr.
35. Welche Wirkung hat ein Vorbezug der Altersrente?
Ein Vorbezug führt zu einer dauerhaften Kürzung, weil die Rente länger ausgerichtet wird. Umgekehrt erhöht ein Aufschub die Rente lebenslang; beide Möglichkeiten regelt das AHVG.