Ein Unternehmen versichert drei Familien von Risiken: seine Sachwerte, seine Haftung und seine Mitarbeitenden. Dazu kommen die Sozialversicherungen, die im Nicht-Leben-Teil geprüft werden: die obligatorische Unfallversicherung (UVG) und die Krankentaggeldversicherung.
Die Zuordnung eines Schadens zur richtigen Police und die Koordination zwischen Sozialversicherung, Zusatzdeckung und Arbeitsrecht.
1. Welche Personen sind obligatorisch gegen Unfall versichert?
Art. 1a UVG unterstellt die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden der obligatorischen Unfallversicherung. Selbstständig Erwerbende können sich freiwillig versichern; Nichterwerbstätige sind über die Krankenversicherung gedeckt.
2. Ab welchem wöchentlichen Pensum sind Nichtberufsunfälle mitversichert?
Art. 13 UVV setzt die Grenze bei acht Wochenstunden; darunter sind Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle gedeckt, die übrige Freizeit dagegen nicht. Diese Lücke schliesst die Unfalldeckung der Krankenversicherung.
3. Wie hoch ist das Taggeld der obligatorischen Unfallversicherung?
Art. 17 UVG setzt das Taggeld auf achtzig Prozent des versicherten Verdienstes fest. Es wird nach Art. 16 UVG ab dem dritten Tag nach dem Unfall ausgerichtet; für die ersten Tage schuldet der Arbeitgeber den Lohn.
4. Wer trägt die Prämien der obligatorischen Unfallversicherung?
Art. 91 UVG legt die Prämien für Berufsunfälle dem Arbeitgeber auf; jene für Nichtberufsunfälle tragen grundsätzlich die Arbeitnehmenden. Abweichende Vereinbarungen zugunsten der Arbeitnehmenden bleiben möglich.
5. Worin unterscheidet sich ein Krankentaggeld nach dem Krankenversicherungsgesetz von einem nach dem Vertragsgesetz?
Art. 71 KVG räumt beim Ausscheiden aus einer Kollektivversicherung ein Recht auf Übertritt in die Einzelversicherung ein. Kollektivverträge nach dem VVG kennen dieses Recht nur, wenn es vertraglich vorgesehen ist.
6. Was ersetzt eine Betriebsunterbrechungsversicherung?
Die Betriebsunterbrechungsversicherung deckt den Ertragsausfall nach einem versicherten Sachschaden: den entgangenen Gewinn und die Kosten, die trotz Stillstand weiterlaufen. Der Sachschaden selbst wird von der Sachversicherung ersetzt.
7. Was bezeichnet die Haftzeit in einer Betriebsunterbrechungsversicherung?
Die Haftzeit begrenzt die Entschädigung zeitlich, üblicherweise auf zwölf bis vierundzwanzig Monate. Sie ist am realistischen Wiederaufbau zu bemessen, weil ein zu kurzer Zeitraum die Deckung entwertet.
8. Welcher Schaden ist in der Betriebshaftpflicht typischerweise ausgeschlossen?
Die Haftpflicht deckt Schäden Dritter, nicht die Mängelbehebung am eigenen Produkt; dafür haftet das Unternehmen aus Vertrag. Erst der durch das Produkt verursachte Personen- oder Sachschaden ist gedeckt.
9. Welche Kosten deckt eine Rückrufdeckung ab?
Der Rückruf verursacht reine Vermögensschäden, die in der Grunddeckung fehlen; die Rückrufdeckung erfasst Information, Logistik und Austausch. Bussen sind höchstpersönlich und nie versicherbar.
10. Was deckt eine Maschinenbruchversicherung ab?
Die Maschinenbruchversicherung ergänzt die Feuer- und Elementardeckung um innere Betriebsschäden, Bedienungsfehler und Materialfehler. Abnutzung und Wartung bleiben ausgeschlossen, weil sie nicht zufällig sind.
11. Welche Gefahren deckt eine Warentransportversicherung typischerweise?
Die Transportversicherung ist eine Sachversicherung für die Ware selbst, unabhängig von der Haftung des Frachtführers. Sie erfasst den ganzen Transportweg samt üblicher Zwischenlagerung.
12. Welche Schäden deckt eine Cyberversicherung typischerweise ab?
Die Cyberdeckung verbindet Eigenschaden, Ertragsausfall und Haftpflicht in einem Vertrag. Bussen bleiben ausgeschlossen; die Übernahme eines Lösegelds ist rechtlich heikel und nur teilweise versicherbar.
13. Welchen Zweck erfüllt eine Unfallzusatzversicherung für ein Unternehmen?
Der versicherte Verdienst des UVG ist nach Art. 22 UVV auf einen Höchstbetrag begrenzt; Löhne darüber bleiben ungedeckt. Die Zusatzversicherung schliesst diese Lücke und kann Taggeld und Rente aufstocken.
14. Was deckt eine Vertrauensschadenversicherung ab?
Die Vertrauensschadenversicherung deckt Veruntreuung, Diebstahl und Betrug durch Angestellte. Die Betriebshaftpflicht hilft hier nicht, weil es an einem Schaden Dritter fehlt; es handelt sich um einen Eigenschaden.
15. Welche Werte sind in einer Betriebssachversicherung zu deklarieren?
Massgebend ist der Wiederbeschaffungswert, nicht der Buchwert; abgeschriebene Anlagen müssen im Schadenfall gleichwohl ersetzt werden. Eine zu tiefe Deklaration führt zur Unterversicherung nach Art. 69 VVG.
16. Welche Leistung erbringt die Unfallversicherung bei einer dauernden Invalidität?
Art. 18 UVG sieht bei dauernder Erwerbsunfähigkeit eine Rente vor; bei vollständiger Invalidität beträgt sie achtzig Prozent des versicherten Verdienstes. Art. 24 UVG gewährt zusätzlich eine Integritätsentschädigung für die dauernde Schädigung.
17. Welchen Zweck erfüllt eine Krankentaggeldversicherung für einen Betrieb?
Art. 324a OR verpflichtet den Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung während beschränkter Zeit. Eine Taggeldversicherung mit mindestens gleichwertigen Leistungen tritt an deren Stelle und macht die Belastung planbar.
18. Welche Deckung ist für ein Unternehmen mit Kundenverkehr besonders wichtig?
Ein Sturz auf einem nassen Boden kann einen erheblichen Personenschaden verursachen; die Haftung folgt aus Art. 41 und 58 OR. Die Betriebshaftpflicht mit ausreichender Garantiesumme deckt dieses Risiko.
19. Welches Ereignis löst eine Betriebsunterbrechungsdeckung in der Regel aus?
Die klassische Deckung setzt einen versicherten Sachschaden voraus; ohne ihn besteht kein Anspruch. Ereignisse ohne Sachschaden verlangen besondere Deckungen wie Rückwirkungsschäden oder Cyberunterbruch.
20. Welche Schäden deckt eine Berufshaftpflicht in erster Linie?
Beratende und planende Berufe verursachen typischerweise Vermögensschäden ohne Substanzverletzung; die Betriebshaftpflicht deckt diese nicht. Die Berufshaftpflicht schliesst die Lücke und ist für Vermittler nach Art. 44 VAG vorgeschrieben.
21. Welche Kürzung sieht die Unfallversicherung bei einem Wagnis vor?
Art. 39 UVG lässt bei aussergewöhnlichen Gefahren und Wagnissen eine Kürzung der Geldleistungen zu; die Pflegeleistungen bleiben grundsätzlich bestehen. Der Bundesrat umschreibt die Tatbestände in der Verordnung.
22. Welche Vorkehr verlangt ein Cyberversicherer regelmässig vom Unternehmen?
Die Bedingungen knüpfen die Deckung an Obliegenheiten wie Sicherungskopien, Aktualisierung und Zugriffsschutz. Ihre Verletzung führt zur Kürzung; sie senkt zugleich die Eintretenswahrscheinlichkeit erheblich.
23. Welche Bedeutung hat die Haftung des Frachtführers für die Transportversicherung?
Die Haftung des Frachtführers ist nach Art. 447 OR und den internationalen Übereinkommen betragsmässig begrenzt, häufig nach Gewicht. Der tatsächliche Warenwert wird dadurch selten gedeckt.
24. Wie ist ein Schaden zu behandeln, den ein Subunternehmer verursacht?
Nach Art. 101 OR haftet das beauftragende Unternehmen für seine Hilfspersonen wie für eigenes Handeln. Ein Rückgriff auf den Subunternehmer bleibt möglich, weshalb dessen Deckung vertraglich zu verlangen ist.
25. Welche Personengruppe kann in einer Kollektivunfallversicherung versichert werden?
Die Kollektivversicherung setzt eine objektiv umschriebene Gruppe voraus, damit keine Auswahl nach dem Gesundheitszustand erfolgt. Diese Abgrenzung sichert den Risikoausgleich innerhalb des Kollektivs.
26. Welche Deckung ist für ein Unternehmen mit einem einzigen Standort besonders kritisch?
Ohne Ausweichstandort steht der Betrieb nach einem Grossschaden vollständig still. Der Ertragsausfall übersteigt dann rasch den Sachschaden, weshalb die Haftzeit realistisch bemessen sein muss.
27. Welche Leistung erbringt die Unfallversicherung im Todesfall?
Art. 28 ff. UVG sehen Renten für die überlebende Ehegattin oder den Ehegatten und für die Kinder vor; die Ansätze sind gesetzlich festgelegt und begrenzt. Die Bestattungskosten werden zusätzlich vergütet.
28. Welche Frage klärt den Versicherungsbedarf eines Betriebs am schnellsten?
Die Existenzfrage lenkt den Blick auf die grössten Risiken: Feuer, Betriebsunterbruch, Haftpflicht und Ausfall von Schlüsselpersonen. Die bedürfnisgerechte Beratung nach Art. 45 VAG beginnt bei diesen Szenarien.
29. Welche Bedeutung hat die Wartefrist in einer Krankentaggeldversicherung?
Während der Wartefrist trägt der Arbeitgeber den Lohn nach Art. 324a OR selbst; danach setzt das Taggeld ein. Die Wahl der Frist ist der wirksamste Hebel auf die Prämie und muss zur Liquidität des Betriebs passen.
30. Welche Deckung schützt vor dem Ausfall einer Schlüsselperson?
Der Ausfall einer Schlüsselperson verursacht einen reinen Vermögensschaden ohne Sachschaden. Eine Personenversicherung mit dem Unternehmen als begünstigter Person überbrückt die wirtschaftlichen Folgen.
31. Was gilt als Unfall im Sinne des Sozialversicherungsrechts?
Art. 4 ATSG verlangt eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. Fehlt eines dieser Merkmale, liegt eine Krankheit vor.
32. Wie werden unfallähnliche Körperschädigungen behandelt?
Art. 6 Abs. 2 UVG zählt bestimmte Körperschädigungen wie Bänder- und Muskelrisse auf, die auch ohne ungewöhnlichen äusseren Faktor gedeckt sind. Der Unfallversicherer kann sich befreien, wenn eine Erkrankung überwiegend verantwortlich ist.
33. Wie wird die Versicherungssumme einer Betriebsunterbrechungsdeckung bestimmt?
Versichert wird der Bruttogewinn, also der Umsatz abzüglich der Kosten, die bei einem Stillstand wegfallen. Er umfasst den entgangenen Gewinn und die fortlaufenden Fixkosten und ist an die Haftzeit anzupassen.
34. Welche Bedeutung hat die Umsatzangabe für eine Betriebshaftpflichtversicherung?
Der Umsatz bildet das Tätigkeitsvolumen und damit das Risiko ab; er dient als Bemessungsgrundlage. Eine unterlassene Anpassung nach starkem Wachstum kann als Gefahrserhöhung nach Art. 28 VVG gelten.
35. Welche Deckung eignet sich für eine neu erstellte Produktionsanlage?
Die Montageversicherung deckt Schäden während des Aufbaus und der Inbetriebnahme; die Maschinenbruchdeckung übernimmt anschliessend den laufenden Betrieb. Die beiden Deckungen greifen zeitlich ineinander.